Made in China

Entwicklung Dez. 20, 2019

Ein Schülerblog von Sebastian Slanitsch.

Ich wette jeder Leser besitzt irgendein Produkt, auf dessen Rückseite die Worte „Made in China“ stehen. Oftmals denken wir konsumgepolten Menschen gar nicht darüber nach wo unser Artikel herkommt, aber manchmal fragt man sich dann schon: Warum kommt eigentlich alles aus China? In diesem Blogbeitrag möchte ich mitunter den chinesischen Elektronikmarkt betrachten und den Lesern vermitteln wie China zu einem der Weltmarktführer im Thema Elektroteilproduktion wurde.

Shenzhen und das Entwicklungszentrum:

Shenzhen - Bekannte Büros der chinesischen Stadt

Vor allem die chinesischen Stadt Shenzhen wird oft als „Nabel der Welt bei der Fertigung und Entwicklung elektronischer Gadgets“ bezeichnet. Das ehemalige Fischerdorf beheimatet heute nicht nur einige der größten Elektroproduktionsstädten, sondern auch nach Shanghai die höchste Konzentration an Start-Ups weltweit. Und wo wir schon bei Weltrekorden sind, von den weltweit 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt sitzen 115 in der Volksrepublik. Und falls Sie jemals ein Elektronikgerät in der Hand hatten, stammt dies zu einer 90 prozentigen Wahrscheinlichkeit aus einer chinesischen Fabrik. Jetzt fragen Sie sich vielleicht zurecht: „Aber warum ausgerechnet Shenzhen?“. Ein wichtiger Faktor für die vielen Fabriken ist definitiv das niedrige Durchschnittsalter. Während die Durchschnittsbürger in Europa etwa 40 Jahre alt ist, beläuft sich diese Zahl in Shenzhen gerade mal auf 30. Wie allseits bekannt ist, sind junge Leute normalerweise eher technisch interessiert als ältere Personen. Dies hat eben auch zur Folge, dass der Elektronikmarkt attraktiv für junge Leute ist.

Aber warum ist denn jetzt eigentlich alles aus China so günstig?

Diese Frage möchte im am Beispiel der Smartphones erläutern. Wenn man sich einmal am Telefonmarkt umschaut wird man direkt merken, dass chinesische Marken für ihre Handys nur etwa ein Drittel des Preises eines vergleichbaren Telefons von Samsung oder Apple verlangen. Bei vielen wird sich jetzt schon der Satz: „Da zahlt man halt die Marke“ auftun. Das stimmt jedoch nur teilweise. Natürlich müssen Hersteller wie Apple oder Samsung ihre aufgebaute Marketingblase aufrechterhalten, jedoch kostet die Hardware eines Smartphones bei namhaften Herstellern nur etwa ein Viertel des Verkaufspreises. Warum wird es also in China so billig verkauft? Einer der Hauptgründe dafür ist, dass das Konkurrenzdenken in China sehr hoch ist. Jeder will seinen Kontrahenten unterbieten und das führt zu immer geringeren Gewinnmagen und dementsprechend auch Verkaufspreisen. Gespart wird jedoch nicht bei der Qualität. Was viele nicht wissen, teilweise kommen chinesische Smartphones sogar von derselben Produktionsbahn wie die der namhaften Smartphonehersteller. Dieses enorme Konkurrenzdenken trifft jedoch nicht nur auf die Handykonzerne zu, sondern allgemein auf ganz China. Jeder will besser sein als die anderen, was zu immer gigantischeren Leistungen führt.

Jährlich verbringt ein Großteil aller chinesischen Studenten ihre Sommerferien in der Technikmetropole Shenzhen. Das hat den Hintergrund, dass in Shenzhen nicht nur von der Elektronik gelebt wird, sondern vor allem mit ihr. Unter Jugendlichen sind Wettkämpfe zwischen Robotern besonders beliebt. Während dieses Hobby in unseren Gegenden eher klein im Untergrund gelebt wird, ist es in China ein Riesenspektakel. Studenten von technischen Hochschulen aus aller Welt reisen zu diesen enormen Wettkämpfen an. Aber was haben diese Wettkämpfe mit Elektroherstellung zu tun? Sie sollen die Jugendlichen dazu anregen, statt nur bereits vorhandene Dinge herzustellen ganz neue Produkte zu designen, wobei wir wieder beim Bereich des Start-Ups sind.

Eines der irrwitzigsten Erlebnisse welches man in Shenzhen genießen kann, ist wohl ein Spaziergang durch den Stadtteil Huaqiangbei. Im Gegensatz zu Shoppingvierteln in Österreich wie zum Beispiel der Mariahilfer Straße sind in Huaqiangbei hunderte Elektronikgeschäfte aneinandergereiht. Dort kauft man keine Markenkleidung oder das nächste Paar Schuhe, stattdessen erhält man dort alles was das Bastlerherz begehrt. In Huaqiangbei werden LED-Streifen zusammengelötet, Leiterplatten hergestellt, Handys repariert und tausende Pakete für den Versand nach Europa fertiggemacht. Shenzhen bietet zwar so gut wie keine historischen Sehenswürdigkeiten, dafür tiefe Einblicke in das authentische China des 21.Jahrhunderts, auch für Touristen. Eine Reise dorthin ist also jedem VUCA-Interessierten Menschen zu empfehlen.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass China ein Vorreiter für die digitale Revolution ist. Schon die jüngsten werden mit Robo-Wettkämpfen angespornt, in ihrer Zukunft revolutionäre Gadgets und Produkte zu erfinden. Den Erfindern wird mit enormer Zugänglichkeit zu Teilen geholfen, ihre Designs umzusetzen und durch den riesigen Markt an Start-Ups wird einem der Einstieg wahnsinnig erleichtert.

Quellen (24.11.19):

https://www.zeit.de/2018-04/wirtschaft-china-entwicklung-digitalisierung-staedte-konzerne-zahlen/seite-2

https://interculturecapital.de/elektronik-produktion-in-shenzhen-so-laesst-sich-in-china-herstellen/

https://kurier.at/freizeit/die-wichtigste-stadt-der-welt/400124633

https://www.androidkosmos.de/warum-sind-china-smartphones-eigentlich-so-guenstig/